Das Sammeln der Zedernnüsse ist eine richtige Saisonarbeit und Gelderwerb, oft für die ganzen Familien - umso mehr freuen sich die Sibirier über die zur Zeit wachsende Nachfrage für ihre Naturprodukte. Und so wird es geerntet: Es werden Proviant, Zelte und Geräte eingepackt - mit Pferden, Motorrädern oder sogar Traktoren rückt man in die Sammelgebiete. Doch die befahrbaren Wege in der Taiga sind rar, meistens liegen die erntereichen Waldgebiete noch etliche Kilometer von solchen Wegen entfernt, im Altai eben auf den Berghängen. So werden die Sachen auf den Rücken zu den späteren Zeltplätzen getragen, genauso wird das alles nach einigen Wochen zurückbefördert, meistens schon nach den ersten Schneefällen. Dazu kommen dann noch viele schwere Säcke - voll mit Zedernnüssen.

Geerntet wird meistens an trockenen Tagen im September und Oktober, direkt vom Waldboden. Vor allem nach kräftigem Wind fallen viele Zedernzapfen herunter und werden von den Sammlern aufgelesen. Wenn die Ernte gut ist, füllen sich die Säcke schnell, wenn nicht, so geht man weiter (und höher) in die entlegenen Zedernhaine, der Rückweg wird desto beschwerlicher. Um nicht die unnötige Last zurückzuschleppen, werden die Zedernnüsse mit Hilfe von speziellen Handgeräten aus den Zapfen herausgeschält - eine feinere Reinigung von den Zapfenresten geschieht dann am Zeltplatz.

So vergehen mehrere Wochen. Nun ist das große Tragen angesagt. Die Säcke werden über kilometerlange Waldstrecken zu den Fahrzeugen getragen. Erst zu Hause, auf dem Getreidespeicher, wird es geworfelt - die Nüsse werden von Staub und Spelzenresten gereinigt. Dann werden die (ungeschälten) Zedernnüsse im gut durchlüfteten Raum ausgebreitet und getrocknet, erst dann können sie eingelagert oder an Händler verkauft werden. Und dann geht es oft wieder in den Wald - um weiter zu sammeln...

Der Weg bis zum essfertigen Produkt ist allerdings noch weit. In einigen wenigen Fabriken in sibirischen Städten wird die Zedernnuss geschält (noch bis in die 90er Jahre wurde die Nuss praktisch nur in Sibirien konsumiert, es gab so gut wie keine Schälmaschinen, erst in der Zeit der Marktwirtschaft wurden entsprechende Verfahren entwickelt). Die Zedernnüsse werden also gewaschen und getrocknet. Dann werden Sie im speziellen Gebläse gegen die Metallwände geschleudert, beim Aufprall platzen ihre Schalen auf. Der Zedernnusskern ist weich - und es ist nicht einfach die Bruchquote gering zu halten. Von den Schalenresten gereinigt, werden die geschälten Zedernnüsse (bzw. Zedernnusskerne) nachgetrocknet und nach der Kerngröße gesiebt (die großen werden normalerweise als Kerne verkauft, die kleineren weiter verarbeitet).

Es kommt wieder zum aufwändigen Handverlesen: Bruch und braune Nüsse werden entfernt. Jetzt kann ein Teil der Kerne versandfertig verpackt werden. Sibiriens Naturprodukt Nr. 1 - die sibirische Zedernnuss - ist hiermit für den Verbraucher vorbereitet. Die weiteren Teile der Zedernnussernte warten auf die Verarbeitung zu Zedernmehl (ein wertvolles Lebensmittel) und Zedernöl (Kaltpressung, seit alters her eine Rarität, bei den Altgläubigen früher mit Zedernholzpressen unter Gebeten gewonnen). Die Begleitprodukte des Pressverfahrens (Zedernnussmasche und Ölfirnis) finden im Lebensmittelbereich und bei der Industrie ihre Verwendung.